Was würde ich (Kat) anders machen, wenn ich heute noch einmal ein Keramikmalstudio gründen würde?
Manchmal sitze ich in einem unserer Infocalls, höre einer Gründerin zu und denke:
Ohhhh jaaaaa. Ich weiß noch ganz genau, wie sich das angefühlt hat.
Diese Mischung aus Vorfreude, tausend Ideen im Kopf und gleichzeitig diesen Fragen:
Kann ich das wirklich?
Und wer soll denn überhaupt zu mir kommen?
Und 16 Jahre später sitze ich auf der anderen Seite.
Heute sprechen Suzi und ich mit Frauen über ihre Geschäftsideen, ihre Träume, über Brennöfen, Rohlinge, Öffnungszeiten und all die Dinge, die bei der Gründung eines Keramikmalstudios plötzlich wichtig werden. Und natürlich habe ich heute auf viele Fragen eine Antwort. Aber ich hatte sie damals eben nicht.
Ich war frisch Mama geworden und in Elternzeit. Und neben diesem ganzen neuen Mamasein hatte ich mir diese drei Jahre irgendwie auch selbst erlaubt.
Erlaubt hört sich doof an, ich weiß. Aber vielleicht weißt du trotzdem, was ich meine. Natürlich war diese Zeit in erster Linie für mein Kind da. Aber ich wollte mir darin auch ein kleines Stück Raum für mich und meine eigenen Träume nehmen.
Ich wollte herausfinden:
Was möchte ich eigentlich noch?
Was erfüllt mich?
Und gibt es vielleicht etwas, das viel mehr zu mir passt als das, was ich bisher gemacht habe?
So konnte ich erste Schritte in die Selbstständigkeit wagen, ohne vom ersten Tag an die komplette finanzielle Verantwortung damit tragen zu müssen.
Und ja – diese ersten Schritte waren wackelig. Ich war unbedarft. Ich habe Fehler gemacht. Viele.
Heute weiß ich ziemlich genau, was mein größter Fehler dabei war. Und verrückterweise war genau dieser Fehler gleichzeitig auch mein größtes Learning.
Wenn ich heute noch einmal gründen würde, würde ich vieles – wirklich vieles – anders machen.
Aber nicht, weil damals alles falsch war. Sondern weil zwischen der Kathrin von damals und der Kathrin von heute ziemlich viel Leben passiert ist.
Eine Studiogründung.
Viele Jahre Selbstständigkeit.
Corona.
Kinder.
Alleinerziehend sein.
Entscheidungen, die ich mir so niemals ausgesucht oder gehofft hätte mit ihnen in Berührung zu kommen..
Wenn ich also heute darüber schreibe, was ich bei einer Gründung anders machen würde, dann schreibe ich das nicht aus einem Lehrbuch heraus. Ich schreibe es mit 16 Jahren Erfahrung. Und mit ziemlich vielen Dingen und Emotionen im Gepäck, von denen ich damals noch gar nicht wissen konnte, dass sie einmal zu meiner Geschichte gehören würden.
Ich will meine Elternzeit auch für meine Träume nutzen.
Ich wollte etwas machen, das mich wirklich erfüllt.
Hey ja – nenn es ruhig den Wunsch nach Selbstverwirklichung.
Und es war ganz sicher nicht so, dass ich eines Morgens aufgewacht bin und gedacht habe: Heute ist aber ein richtig guter Tag, um ein Keramikmalstudio zu eröffnen. Zumal es diese Idee vor 16 Jahren noch längst nicht an jeder Ecke gab.
Keramik selbst bemalen? Das war damals eher ein Underdog. Ich bin übers Töpfern und über einige Hirngespinste zum Bemalen von Keramik gekommen. Und was war anders als bei all den Ideen, die ich vorher schon hatte? Die Liebe.
Ich hab mich wirklich ganz schrecklich ins Keramikbemalen verliebt. In die Farben. In die Möglichkeiten. In dieses Gefühl, aus einem weißen Stück Keramik etwas ganz Eigenes zu machen. Und genauso sehr in die Idee, genau das anderen Menschen zu zeigen. Dieses Gefühl, wenn jemand vor seinem fertigen Stück sitzt und plötzlich merkt:
Krass. Das hab wirklich ich gemacht.
Genau daraus ist irgendwann diese Vorstellung entstanden.
Ein Ort, an dem Menschen zusammensitzen.
Reden.
Malen.
Zeit miteinander verbringen.
Den Alltag für ein paar Stunden draußen lassen.
Und am Ende etwas mit nach Hause nehmen, das sie selbst gemacht haben.
Diese Idee hat mich damals komplett gepackt.
Aus einem Gedanken wurde ein Plan. Und aus diesem Plan wurde mein Studio. Würde ich es heute noch einmal machen? Ja. Aber ich würde es anders machen.

Hier hat eigentlich alles angefangen: in meiner Elternzeit, mit dem Töpfern, ganz viel Ausprobieren – und noch ohne irgendeinen großen Plan.

Vom Töpfern zum Keramikbemalen. Damals war das noch kein Businessplan – eher ganz viel Neugier, Ausprobieren und irgendwann ziemlich große Liebe.

Mein erstes „Zink & Zauber Studio“: eine kleine Einliegerwohnung, ziemlich pragmatisch eingerichtet – und sehr weit entfernt von dem, was ich heute unter einem durchdachten Studiokonzept verstehen würde. :-)
Wenn ich heute zurückblicke, glaube ich, dass genau da mein größter Fehler lag.
Ich war Kat.
Ich war Mama.
Ich war Freundin.
Ich war kreativ.
Ich war eine Frau, die aus einem sicheren Angestelltenverhältnis kam und endlich etwas machen wollte, das wirklich zu ihr passt.
Und all das bin ich heute immer noch.
Aber etwas hatte sich verändert:
Ich war jetzt Unternehmerin.
Und genau diese Rolle habe ich lange nicht richtig eingenommen. Ach, wenn ich ganz frech bin:
Ich hatte diese neue Rolle viele Jahre überhaupt nicht verstanden.
Ich hatte eine Idee.
Ich hatte Leidenschaft.
Ich wollte Menschen einen Ort schaffen, an dem sie kreativ sein können.
Ich wollte schöne Keramik, gute Farben, einen tollen Laden und eine Atmosphäre, in der sich Menschen wohlfühlen.
Was ich viel zu lange nicht verstanden habe:
Damit ich all das dauerhaft machen kann, muss mein Unternehmen auch für mich funktionieren.
Heute klingt das für mich logisch. Damals war es das überhaupt nicht. Für mich haben meine Einnahmen gereicht. Gut – diese Annahme basierte hauptsächlich auf meinem Empfinden. Mein Steuerberater hat das durchaus etwas anders gesehen. Für ihn war das, was ich da betrieb, eher ein nicht ganz ernst zu nehmendes erweitertes Hobby.
Ich dagegen?
Ich fand mich geil. Ja, wirklich.
Ich hatte doch gegründet.
Ich hatte Kundinnen.
Ich hatte Einnahmen.
Läuft doch!
Bis zu dem Punkt, an dem ich mich ernsthaft mit meinen Zahlen beschäftigen musste. Und da kamen plötzlich Fragen, die in meiner wunderschönen Vorstellung vom eigenen Studio überhaupt nicht vorgekommen waren.
Was bleibt eigentlich wirklich für mich?
Was ist mit Rücklagen?
Was ist mit meiner Altersvorsorge?
Was passiert, wenn ich mal nicht arbeiten kann?
Kann man alles ignorieren. Wird auf Dauer nur ziemlich eng. So viel kann ich dir heute schon mal verraten.
Und genau deshalb verstehe ich jede Gründerin, die heute vor uns sitzt und sagt:
„Ich muss erst einmal schauen, welchen Ofen ich nehme.“
Oder:
„Ich habe richtig Respekt vor meiner ersten großen Rohlingbestellung.“
Natürlich.
Wenn du vorher Privatperson warst und plötzlich eine Bestellung über 3.000 oder 4.000 Euro auslöst, fühlt sich das gigantisch an. Und irgendwann klickst du auf „Bestellen“ und denkst: Oh Gott. Was mache ich hier eigentlich gerade?
Diese Dinge fühlen sich am Anfang riesig an. Heute weiß ich aber: Mein größtes Risiko war nicht die falsche Schüssel. Nicht der eine Rohling zu viel. Und auch nicht, dass mein Ofen vielleicht irgendwann ein bisschen zu klein war. Mein größter blinder Fleck war viel grundsätzlicher:
Ich hatte ein Unternehmen gegründet, ohne mich selbst schon als Unternehmerin zu verstehen.
Als Malgast sieht man das Unternehmen hinter einem Keramikstudio ja gar nicht. Und genau deshalb gibt es bei einer Gründung viele Dinge, von denen man schlicht noch gar nicht weiß, dass man sie wissen müsste. Über genau diese blinden Flecken bei der Studiogründung haben Suzi und ich einen eigenen Beitrag geschrieben.
Auch das gehört ehrlich zu meiner Geschichte. Ich habe gefragt. Ich wollte lernen. Und irgendwann hatte ich zum Beispiel eine Einzelhändlerin vor mir, die mir erklärt hat, wie sie kalkuliert.
Und ich dachte:
Super. Dann weiß ich jetzt ja, wie Kalkulation funktioniert.
Nur hatte ich einen entscheidenden Unterschied nicht verstanden. Ihr Geschäftsmodell war nicht meines. Bei ihr funktionierten bestimmte Regeln. Bei mir hing an einem Rohling aber noch ein ganzer Prozess. Und somit passte die Logik: „EK mal drei oder mal vier.“ eben nicht.
Das wusste ich damals nicht. Und genau daraus habe ich etwas gelernt, das für mich heute viel größer ist als die eigentliche Kalkulationsfrage: Nicht jeder gute Rat ist automatisch der richtige Rat für dein Unternehmen.
Unternehmerin sein bedeutet auch, irgendwann nicht mehr nur zu fragen: „Wie machen die anderen das?“ Sondern: „Was braucht eigentlich mein Unternehmen?“
Ich glaube, kaum eine Frage begegnet uns heute häufiger als: „Kann ich wirklich so viel verlangen?“ Oder: „Ist das nicht unverschämt?“ „Was denken die Leute dann von mir?“ „Nicht, dass jemand denkt, ich wäre geldgierig.“
Glaub mir: Ich kenne all diese Gedanken. Ich hatte sie selbst.
Die Nächte, in denen ich wach lag und mich mit genau diesen Gedanken gequält habe, kann ich gar nicht zählen. Ich habe Preise viel zu sehr danach beurteilt, wie sie sich für mich persönlich angefühlt haben. Nicht danach, was mein Unternehmen gebraucht hätte.
Heute weiß ich:
Ein Preis ist keine Charaktereigenschaft. Ein vernünftig kalkulierter Preis macht dich nicht gierig. Und ein zu niedriger Preis macht dich nicht automatisch besonders nett.
Ein Preis muss dein Unternehmen tragen.
Denn nur dann kann ich meinen Gästen genau das anbieten, was ich ihnen anbieten möchte.
Und irgendwann musste ich verstehen: Wenn ich meinem Unternehmen dauerhaft nicht gebe, was es braucht, spare ich am Ende immer irgendwo.
An der Qualität.
Am Personal.
Oder an mir selbst.
Richtig bewusst geworden ist mir das durch Corona.
Corona war für mich keine kleine Krise. Meine damalige Firma hat diese Zeit finanziell nicht überlebt.
Puh.
Krass.
Mir kullern gerade wirklich die Tränen, während ich das schreibe. Es ist hart, diesen Satz so hinzuschreiben. Aber es war halt so.
Nach so vielen Monaten ohne wirkliche Einnahmen war ich finanziell einfach platt. Und da war nicht nur das Geld. Da waren diese Gefühle. Diese Ohnmacht. Dieses Gefühl, wirklich am Boden zu liegen.
Und vor allem diese riesige Angst:
Was, wenn ich das, was ich so sehr liebe, nicht mehr machen kann?
Dieses Learning hätte ich mir sehr, sehr gerne auf eine andere Art geholt. Aber dieser Verlust hat etwas in mir verändert. Ich konnte nicht mehr wegschauen. Ich musste anfangen, Verantwortung für mein Unternehmen wirklich anzunehmen. Nicht nur für den schönen Teil.
Auch für Zahlen.
Für Entscheidungen.
Für Rücklagen.
Für meine Zukunft.
Ich musste lernen, Unternehmerin zu werden.
Nach Corona habe ich mein Unternehmen neu aufgebaut.
Und diesmal nicht alleine. Ich habe mir Hilfe geholt. Beratung. Coaching. Menschen, die Dinge gesehen haben, die ich selbst nicht sehen konnte.
Und dort habe ich etwas verstanden, was ich vorher nicht verstanden hatte: Unternehmerin sein ist ein Beruf.

Heute weiß ich: Ein Studio zu führen bedeutet mehr als kreativ zu sein. Unternehmerin sein ist ein Beruf – und einer, den ich erst lernen musste.
Das passiert nicht automatisch in dem Moment, in dem du ein Gewerbe anmeldest.
Du musst lernen, Entscheidungen anders zu treffen.
Vorauszudenken.
Verantwortung zu tragen.
Grenzen zu setzen.
Und manchmal eben auch Dinge zu tun, die sich nicht sofort angenehm anfühlen.
Vielleicht war das für mich die größte Veränderung: Ich habe aufgehört, mein Unternehmen nur danach zu führen, was sich für Kat gut anfühlt. Und angefangen zu fragen:
Was braucht mein Unternehmen, damit es gesund ist?
Denn nur wenn mein Unternehmen gesund ist, kann es am Ende auch für mich sorgen.
Und vielleicht ist genau das der Satz, den ich der Kathrin von damals gerne mitgeben würde.
Sie brauchte nicht nur Wissen über Keramik.
Nicht nur übers Glasieren.
Nicht nur übers Brennen.
Sie hätte jemanden gebraucht, der ihr sagt:
Kat, dein Studio ist nicht irgendein Hobby. Du baust hier gerade ein Unternehmen auf.
Und du darfst lernen, dieses Unternehmen auch so zu führen.
Du darfst Preise verlangen, die es braucht.
Du darfst Geld verdienen.
Du darfst Entscheidungen treffen, die nicht jedem gefallen.
Du darfst Grenzen setzen.
Du darfst Hilfe holen.
Und du darfst dafür sorgen, dass dieses Unternehmen dich nicht irgendwann auffrisst.
Denn ein gesundes Unternehmen bedeutet für mich heute nicht nur schwarze Zahlen.
Es bedeutet auch:
Kann ich Urlaub machen?
Kann ich krank sein?
Kann ich Zeit mit meinen Kindern verbringen?
Kann ich Mitarbeiterinnen vernünftig bezahlen?
Kann ich in einer schwierigen Phase reagieren?
Und bleibt bei all dem noch etwas von der Kat übrig, die damals angefangen hat, weil sie sich einen Traum erfüllen wollte?
Genau das ist für mich heute Unternehmertum.
Nicht die Leidenschaft gegen die Zahlen auszutauschen. Sondern zu verstehen, dass ein gesundes Unternehmen dafür sorgt, dass deine Leidenschaft dauerhaft einen Platz haben kann.
Wenn Suzi und ich heute mit Gründerinnen sprechen, sehe ich unglaublich oft die Kathrin von damals.
Die Frau mit vielen Ideen.
Mit Leidenschaft.
Mit einem Kopf voller Rohlinge, Farben, Ofenfragen und Ladenideen.
Und ich denke nicht:
„Oh Gott, die weiß ja noch gar nichts.“
Ich denke:
Ja. Ich kenne diesen Punkt.

Heute sitzen wir gemeinsam auf der anderen Seite – und helfen Gründerinnen dabei, früher die Fragen zu stellen, die wir selbst erst mit der Zeit gelernt haben.
Du musst am Anfang noch keine fertige Unternehmerin sein. Das war ich nach meiner Gewerbeanmeldung auch nicht. Aber du kannst lernen, eine zu werden. Und du musst nicht jeden Fehler selbst machen, um aus ihm zu lernen. Genau deshalb haben wir Deine Art & Weise Akademie aufgebaut.
Nicht, damit wir dir sagen, wie dein Studio aussehen soll. Sondern damit du früher die Fragen kennenlernen kannst, die ich mir damals noch gar nicht gestellt habe. Damit du deinen eigenen Weg gehen kannst. Auf deine Art & Weise.
Und wenn du gerade mitten in deiner Gründung steckst und nicht genau weißt, was du schon gut durchdacht hast und wo vielleicht noch Fragezeichen stehen, können wir auch einfach einmal gemeinsam draufschauen.
Wenn ich mir etwas für jede Frau wünsche, die gerade mit diesem Kribbeln im Bauch über ihr eigenes Studio nachdenkt, dann ist es genau das:
Bleib die Frau, die diesen Traum hat.
Bleib kreativ.
Bleib begeistert.
Bleib du.
Aber erlaube dir, daneben noch jemand anderes zu werden:
Unternehmerin.
Denn genau sie wird später dafür sorgen, dass dein Traum nicht nur eröffnet.
Sondern bleibt.