Keramikmalstudio eröffnen: Warum wir ziemlich sicher sind, dass du noch nicht an alles gedacht hast

In den letzten sechs Monaten haben wir mit unglaublich vielen Frauen gesprochen, die den Mut gefasst haben, ein eigenes Keramikmalstudio zu gründen.

Einen Satz haben wir dabei immer und immer wieder gehört. Und genau den möchten wir heute mit dir teilen:

„Brennen und Glasieren muss ich noch lernen. Aber den Rest bekomme ich schon hin.“

Und ja, wir verstehen total, woher dieser Gedanke kommt.

Wenn du dich mit der Eröffnung eines Keramikmalstudios beschäftigst, dann bist du wahrscheinlich sowieso schon kreativ. Vielleicht hast du selbst schon oft Keramik bemalt und irgendwann kam dieser Gedanke: Das würde ich auch gerne machen. Nur eben in meinem eigenen Studio.

Vielleicht hast du dich auch schon mit dem Ofen beschäftigt. Mit Rohlingen, die du gerne in deinem Laden haben möchtest. Vielleicht gibt es sogar schon ein Ladenlokal, bei dem du dir vorstellen kannst: Genau hier könnte es sein.

Na, erkennst du dich ein bisschen wieder?

Wunderbar. Dann helfen dir die nächsten Zeilen vielleicht dabei, einmal einen Blick auf die blinden Flecken zu werfen. Auf all das, was hinter den Kulissen noch so passiert. Das, was du als Malgast normalerweise gar nicht mitbekommst – und deshalb vielleicht bisher auch noch gar nicht in deine Planung einbezogen hast.

Denn erst einmal wirkt alles so, als würde dir eigentlich nur noch das praktische Wissen fehlen:

Wie bemale ich richtig?

Wie glasiere ich?

Wie funktioniert der Ofen?

Richtig?

Nur ist das meistens nicht der einzige Teil, der noch fehlt. Und das Schwierige daran ist: Man merkt es selbst oft gar nicht. Wie auch? Man kann schlecht an Dinge denken, von denen man noch gar nicht weiß, dass sie dazugehören.

Denn bisher bist du wahrscheinlich als Kundin in ein Keramikmalstudio gegangen und kennst vor allem das, was vorne passiert. Du suchst dir eine Keramik aus. Du bekommst Farben und eine Erklärung. Du bemalst dein Stück. Und ein paar Tage später holst du deine fertig gebrannte Keramik wieder ab. Das sieht erst einmal ziemlich überschaubar aus. Was du als Kundin normalerweise nicht siehst, ist alles, was davor, danach und im Hintergrund passiert. Und genau da liegen bei vielen Gründungen die blinden Flecken.

„Keramikmalstudio gründen – blinde Flecken bei Planung, Kalkulation und Studioalltag“

Blinder Fleck 1: Eine Tasse für 4 Euro einkaufen und für 20 Euro verkaufen – klingt doch erst einmal ziemlich gut

Genau diese Rechnung hören wir in unseren Infocalls wirklich ständig. Eine Tasse kostet im Einkauf 4 Euro. Verkauft wird sie für 20 Euro. Also 16 Euro Unterschied! Wenn man das so sieht, denkt man natürlich erst einmal: Mega – das müsste doch locker funktionieren.

Nur passiert zwischen den 4 Euro Einkauf und den 20 Euro Verkauf leider noch ein bisschen was.

Die Keramik muss bestellt und geliefert werden. Sie braucht Platz im Lager und später im Regal. Eine Kundin wird beraten, sitzt mehrere Stunden an einem Arbeitsplatz und nutzt Farben, Pinsel und anderes Material. Danach wird aufgeräumt, glasiert, der Ofen gesetzt, gebrannt, ausgeräumt, kontrolliert, sortiert und gelagert. Dazu kommen Bruch, Ausschuss und Reklamationen.

Die Rechnung mit den 16 Euro sieht danach schon ein bisschen anders aus.

Und dann kommt noch etwas dazu, bei dem wir in unseren Gesprächen immer wieder merken: Darüber haben sich viele am Anfang schlicht noch keine Gedanken gemacht.

Wo kaufe ich meine Keramik eigentlich ein?

Wir erleben immer wieder, dass Gründerinnen ihre Rohlinge zunächst bei einem Zwischenhändler bestellen.

Warum?

Weil der bei Google auftaucht, die Seite gut aussieht und man dort unkompliziert bestellen kann.

Und ganz ehrlich: Wonach sucht man denn wirklich?

„Keramik Rohlinge kaufen“?

Und was, wenn wir dir sagen: Vielleicht suchst du einfach nach dem falschen Begriff? Vielleicht gibt es Bezugswege und Großhandelskonditionen, nach denen du bisher gar nicht suchen konntest, weil du schlicht nicht wusstest, dass es sie gibt. Und auch hier wieder: Das ist total normal. Woher soll man das auch wissen?

Aber genau das kann richtig Geld kosten.

Denn 2 Euro Unterschied hören sich erst einmal nicht nach viel an. Wenn du sie aber mit der Menge an Keramik multiplizierst, die später durch dein Studio geht, sieht die Sache plötzlich ganz anders aus.

Ach komm, da sind wir doch direkt bei unserem Lieblingsthema angekommen:

Der Verkaufspreis!

Da bekommen wir nämlich immer wieder Folgendes gesagt:

„Ich schaue einfach mal, was die anderen Studios so verlangen.“

Ja, das kann man machen. Zur Orientierung. Aber daraus kannst du nicht deine Preise kalkulieren. Denn du weißt überhaupt nicht, was hinter diesen Preisen steckt. Was zahlt das andere Studio im Einkauf? Wie hoch ist die Miete? Gibt es Mitarbeiterinnen? Wie voll ist das Studio tatsächlich? Gibt es noch eine Sitzplatzgebühr oder andere Einnahmen? Und die spannendste Frage überhaupt: Verdient die Inhaberin mit diesen Preisen eigentlich Geld?

Nur weil ein Studio eine Tasse für 20 Euro anbietet, heißt das ja nicht automatisch, dass 20 Euro ein guter Preis sind.

Der Preis eines anderen Studios sagt dir, was dieses Studio verlangt. Er sagt dir nicht, welchen Preis dein Studio braucht.

Blinder Fleck 2: 20 Plätze sind nicht automatisch Kapazität für 20 Kundinnen

Auch diese Rechnung erscheint auf den ersten Blick total logisch. Ich habe 20 Plätze. Also kann ich 20 Kundinnen gleichzeitig bedienen. Und wenn ich den Tisch vielleicht zweimal am Tag vergeben kann, lässt sich damit ziemlich schnell ein schöner möglicher Tagesumsatz ausrechnen.

Das Problem ist nur:

Die Arbeit endet nicht in dem Moment, in dem die Kundin bezahlt und zur Tür hinausgeht.

Da stehen anschließend 20 Keramiken. Sie müssen trocknen, glasiert, gebrannt, kontrolliert, sortiert und gelagert werden.

Und irgendwann kann genau da der Flaschenhals entstehen.

Du bekommst vorne problemlos 20 Menschen ins Studio. Hinten bekommst du die Menge an Keramik vielleicht gar nicht mehr verarbeitet.

Dein Gastraum schafft die Kundenzahl. Dein Ofen schafft sie aber vielleicht nicht...

...oder dein Lager nicht...oder deine verfügbare Arbeitszeit..oder dein Personal.

Meistens ist es am Ende sowieso die Kombination aus mehreren Dingen.

Deshalb reicht es bei der Gründung eben nicht, nur zu wissen, wie viele Menschen theoretisch an deine Tische passen.

Du musst wissen:

Wie viele Keramiken kann mein gesamter Betrieb tatsächlich verarbeiten?

Blinder Fleck 3: Zwei Nachmittage geöffnet heißt nicht zwei Nachmittage arbeiten

Wir glauben, das ist einer der Punkte, die von außen am meisten täuschen.

Ein Keramikmalstudio kann erst einmal nach einem unglaublich flexiblen Geschäftsmodell aussehen.

Vielleicht sagst du:

„Ich mache zunächst nur zwei oder drei Nachmittage pro Woche auf.“

Kann eine richtig gute Entscheidung sein. Aber zwei oder drei Nachmittage Öffnungszeit sind eben nicht zwei oder drei Nachmittage Arbeit.

Denn an den Tagen, an denen keine Kundin vor dir sitzt, ist das Studio nicht plötzlich erledigt.

Keramik muss bestellt, ausgepackt und eingeräumt werden. Farben und Arbeitsplätze werden vorbereitet. Keramik wird glasiert, der Ofen gesetzt und wieder ausgeräumt. Fertige Stücke werden sortiert und gelagert. Kundinnen schreiben Nachrichten, E-Mails kommen rein, Workshops müssen vorbereitet werden. Und dann gibt es noch Buchhaltung, Marketing, Reinigung, Planung und all den anderen Kram, der zu einem Unternehmen eben dazugehört.

Und deshalb würden wir bei einer Gründung nicht nur fragen:

„Wie soll mein Studio aussehen?“

Sondern mindestens genauso sehr:

„Wie soll dieses Unternehmen im Alltag funktionieren – und passt genau dieses Unternehmen eigentlich zu meinem Leben?“

Denn du kannst ein wunderschönes Studio haben. Wenn du aber nach sechs Monaten feststellst, dass du deutlich mehr arbeitest als gedacht, deine Preise nicht tragen oder dein gesamter Alltag nur noch um das Studio kreist, bringt dir das schönste Regal mit Keramik wenig.

Und jetzt einmal ehrlich: Wie viele blinde Flecken hast du gerade entdeckt?

Geh diese Punkte einmal für dich durch:

  • Ich weiß, wo ich meine Keramik wirtschaftlich sinnvoll einkaufe.

  • Meine Verkaufspreise basieren auf meiner eigenen Kalkulation und nicht hauptsächlich auf den Preisen anderer Studios.

  • Ich weiß grob, wie viele Kundinnen und Keramiken mein gesamter Betrieb tatsächlich verarbeiten kann – inklusive Brennofen und Nacharbeit.

  • Ich habe realistisch eingeplant, wie viel Arbeitszeit außerhalb meiner Öffnungszeiten entsteht.

  • Ich habe nicht nur einen schönen Laden im Kopf, sondern ein Geschäftsmodell, das wirtschaftlich und zeitlich zu meinem Leben passt.

Und jetzt kannst du ganz ehrlich zu dir selbst sein.

Konnte ich bei fast allem direkt sagen:

Ja. Habe ich bedacht. Habe ich gerechnet. Habe ich geplant.

Dann brauchst du möglicherweise wirklich keinen kompletten Gründungskurs.

Vielleicht ist dein Konzept längst klar und dir fehlt tatsächlich hauptsächlich das praktische Wissen rund ums Bemalen, Glasieren und Brennen.

Dafür gibt es unseren Kurs „Bemalen, Glasieren & Brennen“. Da geht es genau um dieses praktische Wissen, das du für dein Studio brauchst.

>> Mehr über Bemalen, Glasieren & Brennen erfahren

Wenn du beim Lesen aber ein-, zwei- oder vielleicht auch fünfmal gedacht hast:

„Mist. Darüber habe ich so noch gar nicht nachgedacht.“

Dann fehlt wahrscheinlich nicht nur Wissen über Glasieren & Brennen. Und genau für diesen Teil haben wir unseren vollständigen Onlinekurs entwickelt.

Nicht, damit du hinterher möglichst viel Theorie im Kopf hast. Sondern weil wir dir die Dinge zeigen wollen, die du als Kundin in einem Keramikmalstudio normalerweise überhaupt nicht siehst: Einkauf, Kalkulation, Abläufe, Kapazitäten, Preise, Konzept und Wirtschaftlichkeit.

All die kleinen und großen Entscheidungen, die später darüber entscheiden, ob dein Studio nur schön aussieht oder ob es auch wirklich für dich funktioniert.

>> Zum vollständigen Onlinekurs

Und eines ist uns dabei wichtig:

Wenn dein Geschäftsmodell steht, deine Zahlen passen und dir wirklich nur noch das praktische Know-how fehlt: super. Dann lern genau das.

Wenn du beim Lesen aber gerade gemerkt hast, dass auf deiner inneren Landkarte für dein zukünftiges Studio noch ziemlich viele weiße Flächen sind, dann würden wir dir empfehlen diese anzuschauen, bevor du noch mehr Rohlinge bestellst, einen Mietvertrag unterschreibst oder Preise festlegst.

Denn gute Vorbereitung heißt nicht, dass du vor deiner Eröffnung schon alles können musst.

Aber du solltest zumindest wissen, welche Fragen du beantworten musst, bevor du die Tür aufschließt.

Kat & Suzi

Wir sind Kat & Suzi von der Deine Art & Weise Akademie und begleiten Gründerinnen mit echter Studioerfahrung, Praxiswissen und einem klaren Blick fürs große Ganze.